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Notfall in der häuslichen Pflege: Die 5 häufigsten Szenarien – und was genau zu tun ist

Inhaltsverzeichnis

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen zu Notfallsituationen in der häuslichen Pflege. Er ersetzt keine professionelle Erste-Hilfe-Ausbildung. Die IAHA empfiehlt allen pflegenden Angehörigen die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs – entsprechende Schulungen werden von der IAHA angeboten.

Das Wichtigste zuerst

Sturz und Schlaganfall sind die häufigsten lebensbedrohlichen Notfälle in der häuslichen Pflege. Der FAST-Test (Gesicht – Arme – Sprache – Zeit) rettet bei Schlaganfall Leben: Bei einem oder mehreren Warnsignalen sofort 144 anrufen. Genauso wichtig aber weniger bekannt: Delirium (plötzliche Verwirrtheit) ist ein medizinischer Notfall – nicht mit Demenz verwechseln. Alle Notrufnummern und persönlichen Daten des Pflegebedürftigen auf einem Notfallblatt am Kühlschrank = die wichtigste Vorbereitung, die eine Pflegeperson treffen kann.

Weitere Informationen: SOS 144 – offizielle Notruf-Infos.

Schweizer Notrufnummern – auf einen Blick

Notrufnummer Dienst Wann anrufen
144 Rettungsdienst / Sanität Lebensbedrohliche Notfälle, Bewusstlosigkeit, starke Schmerzen, Sturz mit Verletzung
117 Polizei Sicherheitsbedrohung, Vermisste Person, Unfall mit Sachschaden
118 Feuerwehr Brand, Überschwemmung, eingeklemmte Person
145 Tox Info Suisse (Vergiftungen) Vergiftungsverdacht, Medikamentenverwechslung, chemische Substanzen
0800 33 66 55 Ärztefon ZH (kostenlos, 24/7) Medizinische Fragen ohne Notfallcharakter; Abklärung ob Notarzt nötig ist
143 Dargebotene Hand Psychischer Ausnahmezustand; akute Überforderung

AUSDRUCKEN; NEBEN DAS TELEFON HÄNGEN: Diese Tabelle kann ausgedruckt und sichtbar aufgehängt werden. Im Notfall zählt jede Sekunde.

Die 5 häufigsten Notfälle in der häuslichen Pflege – mit Sofortmassnahmen

Alle hier beschriebenen Massnahmen sind allgemeine Empfehlungen. Sie ersetzen keine professionelle Erste-Hilfe-Ausbildung. Im Zweifel immer 144 anrufen.

NotfallErkennungszeichenSofortmassnahmenNotruf?
SturzSturz; Schmerzen; Unfähigkeit aufzustehen; sichtbare Verletzung1. Ruhig bleiben, beruhigend sprechen 2. NICHT bewegen wenn Kopf-/Rücken-/Hüftverletzung möglich 3. Wärme halten (Decke) 4. Auf Verletzungen prüfen 5. 144 anrufen wenn nicht aufstehen kann oder starke Schmerzen144 bei Sturz mit Verletzung oder wenn Person nicht aufstehen kann
SchlaganfallPlötzlich: einseitige Gesichtslähmung, Armlähmung, Sprachstörung, Sehstörung, starke Kopfschmerzen1. FAST-Test durchführen 2. Sofort 144 anrufen – Zeitfenster entscheidend 3. Ruhige, sichere Position 4. NICHTS essen/trinken geben 5. Nicht schlafen lassenSOFORT 144 – jede Minute zählt
Delirium (akute Verwirrtheit)PLÖTZLICHE Verwirrtheit (Stunden!), Desorientiertheit, Unruhe oder übermässige Schläfrigkeit – ANDERS als sonst1. Ruhige, bekannte Stimme 2. Hausarzt anrufen oder Ärztefon ZH 0800 33 66 55 3. 144 bei starker Agitation oder schneller Verschlechterung 4. Ursache suchen: Fieber? Dehydrierung? Medikamente?Ärztefon ZH 0800 33 66 55 oder 144
AtemnotSchnelle Atmung, Kurzatmigkeit, blaue Lippen/Fingernägel, Angstgefühl, Husten1. Aufrecht hinsetzen (90°) 2. Fenster öffnen, frische Luft 3. Bekannte Inhalatoren sofort anwenden 4. 144 anrufen bei anhaltender oder starker Atemnot144 bei starker Atemnot oder blauen Lippen
Unterzuckerung (bei Diabetikern)Zittern, Schwitzen, Blässe, Verwirrtheit, Hunger, Herzrasen – typisch bei Diabetikern1. Wenn bei Bewusstsein: sofort Zucker geben (Glukosetabletten, Fruchtsaft, Würfelzucker) 2. Wenn bewusstlos: NICHTS oral – sofort 144 3. Blutzucker messen wenn möglich144 bei Bewusstlosigkeit

Der FAST-Test: Schlaganfall in 4 Schritten erkennen

Der FAST-Test ist ein international validiertes Schnellverfahren zur Erkennung eines Schlaganfalls. Er kann von jeder Person ohne medizinische Ausbildung durchgeführt werden – und er rettet Leben.

Buchstabe Was testen? Warnsignal
F – Face (Gesicht) Bitten Sie die Person zu lächeln Eine Gesichtshälfte hängt herab oder bewegt sich nicht
A – Arms (Arme) Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben Ein Arm sinkt ab oder kann nicht gehoben werden
S – Speech (Sprache) Bitten Sie die Person, einen Satz zu sagen Sprache ist undeutlich, verwirrt oder unmöglich
T – Time (Zeit) Bei einem oder mehreren Warnsignalen: SOFORT 144 anrufen – jede Minute zählt

FAST-Test positiv = 144 anrufen – sofort. Schlaganfall-Behandlung ist zeitkritisch. Das Zeitfenster für optimale Therapie beträgt meist 4.5 Stunden ab Symptombeginn. Nicht abwarten.

«Der FAST-Test ist das Erste, was wir in unseren Schulungen vermitteln. Nicht weil er kompliziert wäre – im Gegenteil. Sondern weil er so wenig bekannt ist und so viel bewirken kann. Wer den FAST-Test kennt, erkennt einen Schlaganfall früher. Und früher heisst: weniger bleibende Schäden.»

— Rachele Wey, Geschäftsführerin IAHA

Delirium: Der unterschätzte Notfall – nicht mit Demenz verwechseln

Delirium ist eine akute Verwirrtheit, die innerhalb von Stunden auftritt – im Gegensatz zu Demenz, die sich über Monate und Jahre entwickelt. Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Merkmal Delirium Demenz
Beginn PLÖTZLICH – innerhalb von Stunden Schleichend über Monate/Jahre
Verlauf Schwankend – besser und schlechter im Wechsel Langsam fortschreitend
Bewusstsein Beeinträchtigt, Schläfrigkeit oder Hyperaktivität Meist normal
Ursache Meistens körperlich: Infektion, Dehydrierung, Medikament Hirnerkrankung
Medizinisch NOTFALL – sofort behandelbar Chronische Erkrankung

Häufigste Ursachen für Delirium bei Senioren: Harnwegsinfekt, Dehydrierung, Fieber, Medikamentenwechselwirkung, Schmerzen. Wenn ein bekannter Demenz-Patient plötzlich SEHR viel verwirrter wird als üblich: Das ist wahrscheinlich ein Delirium – und damit eine behandelbare Notfallsituation.

Weitere Informationen: Alzheimer Schweiz – Delirium.

Weitere Informationen: SUVA – Sturzprävention Senioren.

Notfallausrüstung für die häusliche Pflege: Was zu Hause bereit sein sollte

Was Wofür Hinweis
Erste-Hilfe-Set (vollständig) Wunden, Verband, Schere, Handschuhe Regelmässig prüfen und ergänzen; Verfallsdaten beachten
Blutdruckmessgerät Blutdruckkontrolle bei Verdacht auf Schlaganfall Mit Hausarzt besprechen, welche Werte normal sind
Fieberthermometer Fieber als häufige Delir-Ursache erkennen Digital, für sichere Handhabung
Blutzuckermessgerät Bei Diabetikern: Unterzuckerung sofort erkennen Teststreifen auf Vorrat; mit Hausarzt abgestimmt
Glukosetabletten Sofortbehandlung Unterzuckerung Immer griffbereit wenn Diabetiker im Haushalt
Medikamentenliste (aktuell) Im Notfall sofort für Sanitäter verfügbar Mit Hausarzt regelmässig aktualisieren
Ausgedrucktes Notfallblatt Alle wichtigen Daten im Notfall sofort parat An Kühlschrank – Vorlage unten im Artikel und bei der IAHA erhältlich

Das Notfallblatt – ausdrucken und an den Kühlschrank hängen

Dieses Blatt enthält alle wichtigen Informationen, die im Notfall benötigt werden. Ausfüllen, ausdrucken, laminieren, am Kühlschrank befestigen.

NOTFALLBLATT – AUSDRUCKEN & AM KÜHLSCHRANK BEFESTIGEN

Name der pflegebedürftigen Person: _________________________________

Geburtsdatum: ___________________ Blutgruppe (falls bekannt): _______

Hausarzt: _______________________________ Tel: ___________________

Krankenkasse: ___________________________ Pol.Nr.: ________________

Aktuelle Medikamente: _______________________________________________

_________________________________________________________________

Allergien: ________________________________________________________

Notfallkontakt 1: ______________________________ Tel: _______________

Notfallkontakt 2: ______________________________ Tel: _______________

IAHA: 044 208 88 44

──────────────────────────────────────────────────────

144 Rettung | 117 Polizei | 118 Feuerwehr | 145 Vergiftungen | 0800 33 66 55 Ärztefon ZH

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Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW): Was pflegende Angehörige wissen sollten

HLW ist die wichtigste Massnahme bei Herzstillstand. Das Erlernen von HLW gehört in jeden Erste-Hilfe-Kurs. Hier die Kurzversion als Erinnerungshilfe:

HLW sollte regelmässig in einem Kurs geübt werden. Theorie allein reicht nicht. Die IAHA bietet Schulungen zu Erste-Hilfe-Massnahmen an – finden Sie auf unserer Homepage unter Termine

Was die IAHA zur Notfallvorbereitung beiträgt

Der Pflegehelfer-Kurs (120 Stunden) umfasst grundlegende Notfallkenntnisse und Erste-Hilfe-Massnahmen. Zusätzlich bietet die IAHA regelmässige Weiterbildungen an, die pflegende Angehörige auf typische Notfallszenarien in der häuslichen Pflege vorbereiten.

«Die meisten pflegenden Angehörigen, die zu uns kommen, haben noch nie an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Das ist verständlich – es war bisher kein Thema. Aber Pflege zu Hause bedeutet auch Verantwortung für Notfallsituationen. Deshalb ist Erste Hilfe fester Bestandteil unserer Schulungen.»

— Rachele Wey, Geschäftsführerin IAHA

Weitere Informationen: Emotionale Unterstützung nach einem Notfall.

Weitere Informationen: Bewegungsübungen und Sturzprävention für Senioren.

Weitere Informationen: Sturzprävention und körperliche Gesundheit in der Pflege.

Weitere Informationen: IAHA-Ablauf – was die IAHA nach einem Notfall koordiniert.

Weitere Informationen: IAHA-Schulungen: Erste Hilfe und Notfallvorbereitung für pflegende Angehörige.

Fazit: Vorbereitung rettet Leben

Die fünf häufigsten Notfälle in der häuslichen Pflege – Sturz, Schlaganfall, Delirium, Atemnot, Unterzuckerung – sind erkennbar und beherrschbar. Das Notfallblatt am Kühlschrank, der FAST-Test im Gedächtnis und die Notrufnummer 144 auf Kurzwahl: Das ist die Vorbereitung, die den Unterschied macht. Den Rest übernehmen Profis.

Erste-Hilfe-Kurs bei IAHA: Jetzt anmelden.

→ Weiterbildungsangebot: iaha.ch/bildung-termine


FAQ

Frage Antwort
Was ist der FAST-Test und wie funktioniert er? Der FAST-Test erkennt Schlaganfall-Symptome: F = Gesicht (hängt eine Seite herab?), A = Arme (sinkt ein Arm ab?), S = Sprache (undeutlich oder verwirrt?), T = Time (sofort 144 anrufen). Bei einem oder mehreren Warnsignalen: Sofort 144.
Was ist der Unterschied zwischen Delirium und Demenz? Delirium tritt PLÖTZLICH auf (Stunden), Demenz entwickelt sich schleichend über Monate/Jahre. Delirium ist behandelbar und ein medizinischer Notfall – oft ausgelöst durch Infektion, Dehydrierung oder Medikamente.
Was tue ich, wenn mein Angehöriger stürzt? Ruhig bleiben, beruhigend sprechen. Person NICHT bewegen bei Verdacht auf Kopf-, Rücken- oder Hüftverletzung. Wärme halten. 144 anrufen wenn die Person nicht aufstehen kann oder starke Schmerzen hat.
Welche Notrufnummern sind in der Schweiz wichtig? 144 (Rettungsdienst), 117 (Polizei), 118 (Feuerwehr), 145 (Tox Info Suisse bei Vergiftungen), 0800 33 66 55 (Ärztefon Zürich, kostenlos, 24/7).
Was ist ein Notfallblatt und warum brauche ich es? Ein Notfallblatt enthält alle wichtigen Informationen zur pflegebedürftigen Person (Medikamente, Allergien, Hausarzt, Kontakte) auf einem Blatt. Es spart im Notfall wertvolle Sekunden, weil Sanitäter sofort alle nötigen Informationen haben.
Sollten pflegende Angehörige einen Erste-Hilfe-Kurs machen? Ja. Die IAHA empfiehlt und bietet entsprechende Schulungen an. Der Pflegehelfer-Kurs (120 Stunden) enthält grundlegende Notfallkenntnisse.
Was tun bei Unterzuckerung eines diabetischen Angehörigen? Bei Bewusstsein: sofort Zucker geben (Glukosetabletten, Fruchtsaft, Würfelzucker). Bei Bewusstlosigkeit: NICHTS oral – sofort 144 anrufen.
Wie erkenne ich einen Herzstillstand? Person reagiert nicht, atmet nicht oder nicht normal (Schnappatmung). Sofort 144 anrufen und mit Herzdruckmassagen beginnen.
Was gehört in ein Erste-Hilfe-Set für die häusliche Pflege? Verbandmaterial, Schere, Handschuhe, Fieberthermometer. Bei Diabetikern zusätzlich: Blutzuckermessgerät, Glukosetabletten. Medikamentenliste griffbereit.
Wie oft sollte man HLW üben? Fachleute empfehlen, HLW alle 1-2 Jahre aufzufrischen. Theorie allein reicht nicht – Kurse mit praktischen Übungen sind entscheidend.

Kontaktinformationen

IAHA – International Association for Healthy Aging
info@iaha.ch
044 208 88 44
Seefeldstrasse 62, Zürich

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