Das Wichtigste zuerst
Technologie in der häuslichen Pflege nützt am meisten dort, wo Vergessen, Messungenauigkeit oder eingeschränkte Mobilität konkrete Risiken schaffen. Die drei wirkungsvollsten Hilfsmittel-Kategorien: Medikamenten-Apps (MyTherapy, Medisafe — kostenlos, strukturieren Einnahme-Reminder und Protokoll), medizinische Messgeräte (Blutdruck, Blutzucker — CE-zertifiziert, teils IV-finanzierbar), Mobilitätshilfen (Rollator bis Treppenlift — IV-Finanzierung möglich). Für Haus- und Sicherheitstechnologie (Hausnotruf, Smart Home): iaha.ch/smart-home-senioren-schweiz-hausnotruf-sprachsteuerung.
Abgrenzung: Dieser Artikel behandelt Technologie für die Person (Gesundheit, Medikamente, Mobilität). Für Haustechnologie (Hausnotruf, Smart Home, Sprachassistenten): iaha.ch/smart-home-senioren-schweiz-hausnotruf-sprachsteuerung.
Weitere Informationen: Haustechnologie: Hausnotruf, Smart-Home-Licht und Sicherheit.
Technologie in der Pflege: Was sie kann — und was sie nicht kann
Eine App erinnert daran, Medikamente zu nehmen. Ein Messgerät zeigt an ob der Blutdruck zu hoch ist. Ein Rollator verhindert Stürze. Das sind konkrete, messbare Beiträge zur Pflegesicherheit.
Was Technologie nicht kann: Die menschliche Pflege ersetzen. Sie ist ein Werkzeug — nicht die Lösung. Die sinnvollsten Technologien sind die, die im Hintergrund arbeiten, intuitiv bedienbar sind, und die Pflegeperson entlasten statt zusätzlich belasten.
«Wir empfehlen Technologie immer dann, wenn sie eine echte Lücke schliesst — nicht wenn sie beeindruckt. Eine Medikamenten-App, die jemanden ans Abendmedikament erinnert, ist wertvoller als ein teures Monitoring-System, das niemand bedienen kann.»
— Rachele Wey, Geschäftsführerin IAHA
Medikamenten-Apps: Vergessen vermeiden und Einnahme dokumentieren
Bei Polypharmazie (5+ Medikamente) ist die Gefahr von vergessenen Einnahmen, falscher Dosierung oder Wechselwirkungen real. Medikamenten-Apps strukturieren die Einnahme und protokollieren sie — für den Pflegebedürftigen selbst und als Nachweis für IAHA-Pflegende und Hausärzte.
| App | Was sie kann | Datenschutz (CH) | Kosten | Besonders geeignet für |
| MyTherapy (myTherapy.net) | Medikamenten-Reminder, Einnahme-Protokoll, Blutdruck-/Blutzucker-Tagebuch, Symptomtracking, Teilen mit Familie | DSGVO-konform; Server EU; Datenexport möglich | Kostenlos (Basis); Premium kostenpflichtig | Chronische Erkrankungen mit mehreren Medikamenten; Familien die Protokoll mitverfolgen wollen |
| Medisafe (medisafe.com) | Reminder, Wechselwirkungs-Check, Apotheken-Reminder, Familie-Verbindung («Medsafe Pillbox») | HIPAA-konform (USA); Daten in US; Datenschutz-Aspekte prüfen | Kostenlos (Basis); Premium kostenpflichtig | Wechselwirkungsüberprüfung wichtig; Familien mit Koordination über mehrere Personen |
| Apple Health / Google Fit | Medikamenten-Reminder (iOS Health), Integration mit Messgeräten, Gesundheitsdaten-Übersicht | Gerätedaten bleiben auf Gerät (je nach Einstellung) | Kostenlos (inkl. Gerät) | Nutzer die bereits iPhone/Android nutzen; Messgeräte-Integration |
Medikamenten-Apps ersetzen nicht den Polycheck in der Apotheke (→ Blog 26) und nicht die Medikamentenliste beim Hausarzt. Sie sind ein Ergänzungswerkzeug, keine medizinische Beratung.
Medizinische Messgeräte: Was für wen sinnvoll ist
Messgeräte für den Heimgebrauch ermöglichen das laufende Monitoring chronischer Erkrankungen — ohne für jede Messung zum Arzt zu gehen. Wichtig: Nur CE-zertifizierte Geräte verwenden; Messergebnisse regelmässig mit Hausarzt besprechen.
| Gerät | Für wen | Worauf achten | Kosten (Richtwert) | IV/KK-Deckung |
| Blutdruckmessgerät (Oberarm empfohlen) | Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen | CE-Zertifikat; validiert durch ESH (European Society of Hypertension); Oberarm-Modell genauer als Handgelenk | CHF 30–150 | KK: Nein (Heimgebrauch). IV: Nur bei spezifischen Indikationen. |
| Blutzuckermessgerät | Diabetes (Typ 1 + 2), prädiabetisch | CE; Genauigkeit nach ISO 15197; Teststreifen-Kosten beachten (laufende Kosten) | Gerät CHF 20–80; Teststreifen CHF 30–80/Mt. | KK: Teststreifen bei Typ-1-Diabetes. IV: In bestimmten Fällen. Krankenkasse anfragen. |
| Pulsoxymetrie (SpO2) | COPD, Herzinsuffizienz, Schlafapnoe-Monitoring | Medizinisches Gerät (nicht Fitness-Tracker); CE-Zertifikat; Fingerclip bevorzugt | CHF 30–100 | KK/IV: Normalerweise nicht; bei Verordnung des Hausarztes anfragen |
| Gewichtswaage (medizinisch) | Herzinsuffizienz (tägliche Kontrolle wichtig), Ernährungsmonitoring | Geeichte Waage; Messung immer gleiche Zeit (morgens nüchtern) | CHF 30–100 | Nein |
| CGM — Kontinuierliches Blutzucker-Monitoring | Diabetes Typ 1; intensiviertes Insulin-Regime | Sensor-Systeme (Dexcom, Abbott FreeStyle Libre); Verordnung Hausarzt/Diabetologe | CHF 100–250/Mt. laufend | KK: Bei Typ-1-Diabetes oft kassenpflichtig; Anfrage mit Verordnung |
Beschaffungs-Tipp Schweiz: Messgeräte sind in Apotheken erhältlich. Apotheken wie Amavita, TopPharm oder Schloss-Apotheke bieten Geräte-Beratung an.
Mobilitätshilfen: Von Rollator bis Treppenlift — mit IV-Finanzierung
Mobilitätshilfen sind die wirkungsvollsten Präventionsmassnahmen gegen Stürze — und gegen den Rückzug aus dem Alltagsleben. Die Bandbreite reicht von einfachen Rollatoren bis zu elektrischen Treppenliften. Viele sind IV-finanzierbar.
| Hilfsmittel | Für wen geeignet | Kosten | IV/KK? | Ergo-/Physiotherapeut empfohlen? |
| Rollator (Gehhilfe mit 4 Rädern) | Eingeschränkte Mobilität; Sturzrisiko; nach Spitalentlassung | CHF 80–500 | IV: Bei Anspruch (Antrag IV-Stelle) | Ja — Ergotherapeut empfiehlt richtige Einstellung und Gehhilfen-Art |
| Gehstock / Unterarmgehstütze | Leichte Gangstörung; nach Knieverletzungen | CHF 20–120 | IV: Bei Anspruch | Ja — falsche Stocklänge führt zu Haltungsschäden |
| Rollstuhl (manuell) | Starke Mobilitätseinschränkung; Gehen nicht mehr möglich | CHF 300–2'000 | IV: Ja (mit Arztbericht/Antrag) | Ja — Anpassung essenziell für Druckstellenprophylaxe |
| Elektrorollstuhl | Selbstständige Mobilität trotz Kraftverlust; Bedienung mit Hand oder Joystick möglich | CHF 3'000–15'000+ | IV: Ja (Antrag + ärztliches Gutachten) | Ja — umfassende Beratung und Anpassung nötig |
| Treppenlift | Eingeschränkte Mobilität auf Treppen; Sturzrisiko auf Treppen | CHF 5'000–20'000+ | IV: In bestimmten Fällen; häufig privat | Ja — zusammen mit Ergotherapeut Wohnraumanpassung planen |
Wie IV-Finanzierung beantragt wird:
Ergo-/Physiotherapeut als wichtige Ressource: Ergo-/Physiotherapeuten empfehlen und passen Hilfsmittel an — und wissen welche IV-finanzierbar sind. IAHA kann an einen Ergo-/Physiotherapeuten verweisen (→ Blog 21: Pflegeteam).
Koordinations-Apps: Wenn mehrere Familienmitglieder pflegen
Bei der Pflege durch mehrere Familienmitglieder oder in Kombination mit IAHA-Pflegenden ist Koordination entscheidend. Einfache digitale Tools helfen — ohne komplexe Systeme.
| Tool | Wofür | Kosten | Empfehlung |
| Shared Google Kalender | Pflegetermine, Arzttermine, IAHA-Einsatzzeiten für alle sichtbar | Kostenlos | Einfach, intuitiv, auf allen Geräten. Erste Empfehlung für Koordination. |
| WhatsApp-Gruppe | Schnelle Kommunikation, Fotos von Veränderungen, sofortige Absprachen | Kostenlos | Gut für informelle Kommunikation; nicht für offizielle Pflegedokumentation |
| Familien-Pflegekalender (Papier) | Tägliche Pflegedokumentation, Beobachtungen für IAHA und Hausarzt | Kostenlos (Papier) | Oft praktischer als App — liegt offen auf dem Tisch, alle sehen es |
Wie die IAHA mit digitalen Hilfsmitteln zusammenarbeitet
- Medikamentenliste für IAHA: IAHA-Pflegende brauchen die vollständige Medikamentenliste — eine Medikamenten-App macht diese jederzeit verfügbar und aktuell
- Messgeräte-Protokoll: Blutdruck- und Blutzucker-Messungen aus Apps können im IAHA-Pflegetagebuch dokumentiert und an den Hausarzt weitergeleitet werden
- Hilfsmittel-Empfehlung: IAHA-Pflegende erkennen wenn ein Rollator oder eine Gehhilfe nötig wird und verweisen an Ergo-/Physiotherapeut oder Hausarzt
- IV-Antrag-Begleitung: IAHA kann Familien bei der IV-Antragsstellung für Hilfsmittel begleiten und den Koordinationsaufwand reduzieren
Digitale Hilfsmittel in den Pflegealltag integrieren. IAHA berät.
→ iaha.ch/kontakt | 044 208 88 44 | Kostenlose Beratung
Weitere Informationen: Bauliche Hilfsmittel: Haltegriffe, Rampen, IV-Förderung.
Weitere Informationen: IV-Finanzierung für Hilfsmittel: alle Finanzierungsquellen.
Weitere Informationen: Polypharmazie und Medikamentenmanagement: warum Apps helfen.
Weitere Informationen: Ergotherapeut für Hilfsmittel-Empfehlung: seine Rolle im Pflegeteam.
FAQ
| Frage | Antwort |
| Welche Medikamenten-App ist für Schweizer Pflege empfehlenswert? | MyTherapy ist eine gute erste Wahl: DSGVO-konform, kostenlos (Basis), einfach bedienbar, ermöglicht Familien-Mitansicht. Medisafe ist eine Alternative mit Wechselwirkungs-Check. |
| Zahlt die Krankenkasse Blutdruckmessgeräte? | Nein — für den Heimgebrauch nicht. Die IV kann Messgeräte bei spezifischen Indikationen übernehmen. Für Blutzucker-Teststreifen bei Typ-1-Diabetes: KK-Leistung (mit Verordnung). Details: Krankenkasse und ahv-iv.ch anfragen. |
| Was zahlt die IV bei Mobilitätshilfen? | IV finanziert anerkannte Hilfsmittel (Rollstühle, Gehhilfen, teils Treppenlifte) bei medizinischer Notwendigkeit und Antrag. Voraussetzung: Arztbericht + IV-Anmeldung. Beschaffung via IV-zugelassene Lieferanten. |
| Wie unterscheidet sich dieser Blog von Blog 28 (Smart Home)? | Blog 28 = Haustechnologie: Hausnotruf, Smart-Home-Beleuchtung, Kameras, Sicherheit im Haus. Dieser Blog = Personentechnologie: Apps für Medikamente, Messgeräte für Gesundheit, Hilfsmittel für Mobilität. |
| Brauche ich einen Ergo-/Physiotherapeuten für Mobilitätshilfen? | Sehr empfohlen. Ergo-/Physiotherapeuten passen Rollstuhl, Rollator und Gehhilfen individuell an — falsche Einstellung führt zu Haltungsschäden und Sturzrisiken. IAHA kann an einen Ergo-/Physiotherapeuten verweisen. |
| Ist ein Fitnesstracker sinnvoll als Gesundheitsmonitor? | Für Vitalwerte in der Pflege: Nein als alleinige Lösung — Fitnesstracker sind nicht CE-zertifiziert als Medizingeräte und ungenau für medizinische Entscheidungen. Als ergänzendes Alltagstool (Schritte, Schlaf): möglich. |
| Wie teile ich Messwerte mit dem Hausarzt? | MyTherapy und Medisafe bieten PDF-Export für Messwerteprotokolle. Diese können direkt zum Hausarzttermin mitgebracht oder per E-Mail geschickt werden. IAHA-Pflegende können Messwerte auch im Pflegetagebuch protokollieren. |
| Was ist ein CGM und wann wird es von der KK bezahlt? | CGM = Continuous Glucose Monitoring (kontinuierliches Blutzucker-Monitoring via Sensor auf der Haut). Bei Typ-1-Diabetes oft kassenpflichtig mit ärztlicher Verordnung. Bei Typ-2: von Fall zu Fall, KK anfragen. |
