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Das Pflegeteam in der häuslichen Pflege: Wer in der Schweiz welche Rolle übernimmt — und wie alle zusammenarbeiten

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zuerst

Häusliche Pflege in der Schweiz ist Teamarbeit: Hausarzt (Gatekeeper und Verordnungsinstanz), IAHA/Spitex (Grundpflege, Abrechnung), Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde, Ernährungsberaterin, Sozialdienst, Apotheke. Der Hausarzt steht im Zentrum — ohne seine Verordnung läuft nichts. Die IAHA koordiniert die Grundpflege und ist die administrative Brücke zwischen Familie und Krankenkasse. Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist das digitale Koordinationsinstrument der Zukunft, das alle Fachpersonen auf denselben Informationsstand bringt.

Abgrenzung zu Blog 18 (Pflege als Familienprojekt): Blog 18 behandelt das informelle Unterstützungsnetz (Geschwister, Freiwillige, Nachbarschaft). Dieser Blog behandelt das professionelle Fachleute-Team. Beide Dimensionen sind für nachhaltige häusliche Pflege notwendig.

Warum das Pflegeteam oft unsichtbar bleibt — bis es fehlt

Viele pflegende Familien organisieren sich lange alleine und schalten Fachleute erst dann ein, wenn eine Krise sie dazu zwingt. Das ist verständlich, aber vermeidbar. Ein gut aufgestelltes Pflegeteam entlastet nicht erst in der Krise: Es verhindert viele davon.

Das Problem: Familien wissen oft nicht, wen sie wann einschalten sollen. Wer darf Physiotherapie verordnen? Ab wann kommt ein Logopäde? Was macht der Sozialdienst? Dieser Artikel gibt den Überblick — mit einem konkreten Fokus auf die Schweizer Versorgungslandschaft.

«Wir sind eine von vielen Fachpersonen, die eine pflegebedürftige Person begleiten. Unsere Stärke ist die Koordination — wir wissen, wer die anderen Akteure sind, was sie tun und wann es Sinn macht, sie einzubeziehen. Das nehmen wir den Familien ab.»

— Rachele Wey, Geschäftsführerin IAHA

Das Schweizer Pflegeteam: 10 Fachpersonen und ihre Rollen

Fachperson Was sie tut Verordnung nötig? Wann einschalten? IAHA-Schnittstelle
Hausarzt / Hausärztin Diagnose, Gesamtkoordination, Verordnungen für alle anderen Dienste Nein (selbst Verordnungsinstanz) Zentraler Ansprechpartner — immer als erste Anlaufstelle IAHA braucht Verordnung vom Hausarzt für KK-Abrechnung
IAHA / Private Spitex Grundpflege (Körperpflege, Mobilisation, Essen reichen), Behandlungspflege, KK-Abrechnung Ja — vom Hausarzt Sobald regelmässige Grundpflege nötig wird IAHA = Kern der häuslichen Pflegeabrechnung
Physiotherapeut/in Mobilität, Kraft, Sturzprävention, Behandlung nach Operationen Ja — vom Hausarzt Nach Spitalentlassung, bei Mobilitätsproblemen, Sturzrisiko Ergänzt IAHA-Mobilisationspflege; gemeinsame Pflegedokumentation
Ergotherapeut/in Anpassung der Wohnung, Hilfsmittelberatung, Alltagsaktivitäten Ja — vom Hausarzt Bei Funktionseinschränkungen; IV-Abklärung Hilfsmittel Empfehlungen fliessen in Pflegeplan ein
Logopäde / Logopädin Schluckstörungen (Dysphagie), Sprachtherapie nach Schlaganfall Ja — vom Hausarzt Nach Schlaganfall, bei Schluckproblemen, Sprachverlust Absprache IDDSI-Konsistenztufen mit IAHA (→ Blog 17)
Ernährungsberater/in Mangelernährung, Sondenkost, Diätpläne, IDDSI-Umsetzung Ja (KK-Deckung) — vom Hausarzt Bei Gewichtsverlust, Diabetes, Schluckproblemen IAHA-Grundpflege «Essen reichen» koordiniert mit Diätplan
Sozialdienst / Sozialarbeiter/in EL-Anträge, Beistandschaft, KESB-Koordination, Entlastungsangebote Nein Bei finanziellen Fragen, KESB-Verfahren, Entlastungsbedarf IAHA verweist bei EL-Fragen an Sozialdienst
Apotheke Medikamentenmanagement, Blister-Packungen, Abgabeberatung Nein Ab Mehrfachmedikation oder wenn Verwechslungsgefahr Medikamentenliste für IAHA-Pflegedokumentation relevant
Memory-Klinik / Geriater Demenzdiagnose, Medikation bei BPSD, Sundowning-Beratung Überweisung durch Hausarzt Bei Verdacht auf Demenz oder bei komplexen Verhaltenssymptomen Diagnose-Info fliessen in IAHA-Pflegeplan ein
Palliativpflegeteam Schmerzmanagement, würdevolle Begleitung am Lebensende, Familiensupport Überweisung oder eigenständig (ambulant) Bei unheilbarer Erkrankung und palliativem Versorgungsbedarf IAHA koordiniert Übergabe an Palliativdienst

Weitere Informationen: logopädie schweiz.

Weitere Informationen: Ergotherapie Schweiz.

Der Hausarzt als Gatekeeper: Warum alles mit ihm beginnt

Im Schweizer Gesundheitssystem ist der Hausarzt die zentrale Steuerungsinstanz für alle häuslichen Pflegeleistungen. Ohne seine ärztliche Verordnung kann keine Spitex-Organisation, kein Physiotherapeut und keine Ernährungsberaterin ihre Leistungen über die Krankenkasse abrechnen. Dieser strukturelle Fakt hat praktische Konsequenzen:

Situation Was der Hausarzt tut Praktischer Hinweis
Grundpflege zu Hause nötig Stellt ärztliche Verordnung für Spitex/IAHA aus Verordnung vor Pflege-Beginn — nicht nachträglich
Mobilität nimmt ab Verordnung für Physiotherapie Verordnung gilt i.d.R. 3 Monate; dann Folge-Verordnung
Schluckprobleme auftreten Überweisung an Logopäden Zeitkritisch — Schlucken nicht unbeobachtet verschlechtern lassen
Mehrere Dienste gleichzeitig Koordiniert Informationsfluss; kennt alle laufenden Therapien IAHA informiert Hausarzt über Beobachtungen aus dem Pflegealltag
Neue Symptome / Notfall Erste Anlaufstelle (oder 144) IAHA meldet auffällige Beobachtungen sofort an Hausarzt

Tipp für Familien: Bitten Sie den Hausarzt um eine kurze schriftliche Zusammenfassung aller laufenden Verordnungen und der beteiligten Fachpersonen. Diese Liste erleichtert die Koordination erheblich und verhindert, dass Informationen zwischen den Diensten verloren gehen.

«Der Hausarzt ist ein wichtiger Partner. Nicht nur wegen der Verordnung — sondern weil er das medizinische Gesamtbild kennt. Wenn wir bei einem Hausbesuch etwas beobachten, was ihn interessieren sollte, kommunizieren wir das direkt. Das ist professionelle Zusammenarbeit.»

— Rachele Wey, Geschäftsführerin IAHA

Informationsfluss im Pflegeteam: Wer teilt was mit wem?

Die grösste Herausforderung in einem Mehrfachbetreuungs-Setting ist nicht die Pflege selbst — es ist die Kommunikation zwischen den Beteiligten. Was hat die Physiotherapeutin empfohlen? Was hat die IAHA am Abend beobachtet? Hat der Hausarzt das Medikament geändert?

Informationsart Von wem An wen Wie
Neue Verordnung / Medikamentenänderung Hausarzt IAHA, Apotheke, Physiotherapeut Telefonisch oder schriftlich; IAHA aktualisiert Pflegeplan
Beobachtungen aus der Pflege (Verhalten, Appetit, Wunden) IAHA / Pflegende Person Hausarzt Pflegetagebuch, Telefon bei Auffälligkeiten
Therapieergebnisse / Fortschritt Physiotherapeut, Logopäde Hausarzt, IAHA Schriftlicher Therapiebericht; IAHA-Briefing
Hilfsmittelempfehlung Ergotherapeut IAHA, Familie, IV-Stelle Schriftliche Empfehlung; IAHA integriert in Pflegeplanung
Notfälle / akute Verschlechterung IAHA / Pflegende Person Hausarzt oder 144 Sofortiges Telefonat; Notfallblatt nutzen (→ Blog 16)

Praktische Lösung für Familien: Ein schriftliches Pflegetagebuch — auch digital — das alle Beteiligten einsehen und ergänzen können, schafft die Informationsbasis für eine gute Teamarbeit. IAHA führt diese Dokumentation standardmässig und leitet Relevantes weiter.

Weitere Informationen: Notfallkommunikation im Pflegeteam: Wer informiert wen?.

Das Elektronische Patientendossier (EPD): Die digitale Zukunft der Pflegekoordination

Das EPD stellt zwar eine nationale Grundlage für den digitalen Informationsaustausch bereit. In der Praxis existiert jedoch derzeit noch kein flächendeckend genutztes elektronisches Patientendossier, das sämtliche Leistungserbringer und Gesundheitsfachpersonen einbindet. Der Nutzen des EPD hängt wesentlich davon ab, welche Organisationen angeschlossen sind und welche Dokumente tatsächlich im Dossier verfügbar gemacht werden. Was das für häusliche Pflege bedeutet:

Aspekt Details
Was ist das EPD? Digitale Patientenakte, auf die alle beteiligten Gesundheitsfachpersonen mit Zustimmung des Patienten zugreifen können
Wer muss angeschlossen sein? Alle Spitäler, Geburtshäuser, Pflegeheime, Psychiatrische Kliniken, Rehabilitationskliniken, Ärzte und Ärztinnen
Was sieht das Pflegeteam? Medikamentenliste, Diagnosen, Therapieberichte, Pflegedokumentation — mit Patientenzustimmung pro Fachperson
Vorteile für die häusliche Pflege Weniger Informationsverlust bei Übergaben; Hausarzt sieht Spital-Beobachtungen; Physiotherapeut sieht Medikamentenliste
Patientenkontrolle Patient entscheidet, welche Fachperson Zugriff hat; Zugriff kann jederzeit entzogen werden
Wo eröffnen? Informationen zur Eröffnung eines EPD sowie zu den aktuell verfügbaren EPD-Anbietern finden sich auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG) oder der zuständigen kantonalen Gesundheitsdirektion.

Das EPD ist optional für Patientinnen — aber die Entscheidung lohnt sich bei komplexer häuslicher Pflege mit mehreren Fachpersonen. Die Eröffnung des EPD ist kostenlos; Bundesamts für Gesundheit (BAG) oder der zuständigen kantonalen Gesundheitsdirektion

Weitere Informationen: Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Häufige Schnittstellenprobleme — und wie man sie vermeidet

Problem Warum es entsteht Lösung
Physiotherapeut kennt IAHA-Beobachtungen nicht Kein gemeinsames Dokumentationssystem Kurzes schriftliches Briefing bei Therapeutenwechsel; EPD nutzen
Medikamentenänderung kommt nicht bei IAHA an Hausarzt informiert nur Apotheke, nicht Pflegeperson Explizite Absprache: IAHA erhält Kopie jeder Medikamentenänderung
Familie weiss nicht, welche Fachperson was gesagt hat Mehrere mündliche Absprachen, kein gemeinsames Protokoll Pflegetagebuch als Single Source of Truth; alle Fachpersonen eintragen
Überweisung an Spezialist wird vergessen Hausarzt-Konsultation lange her; keine Wiedervorstellung-Erinnerung IAHA flaggt Beobachtungen, die Hausarzt-Konsultation nötig machen könnten

Weitere Informationen: Wie man die richtige private Spitex wählt.

Weitere Informationen: Wie die IAHA als Pflegeteam-Mitglied konkret funktioniert.

Die IAHA als Koordinationsanker im professionellen Pflegeteam

Die IAHA ist täglich vor Ort — oft öfter als jede andere Fachperson. Das macht sie zur natürlichen Beobachtungsinstanz, die als erste Veränderungen wahrnimmt: neue Wunden, Verhaltensänderungen, Ernährungsprobleme, Sturzrisiken.

  • Hausarzt informieren: wenn IAHA Veränderungen beobachtet, die ärztliche Beurteilung brauchen
  • Pflegeplan aktualisieren: wenn andere Fachpersonen (Physiotherapeut, Ergotherapeut) neue Erkenntnisse liefern
  • KK-Abrechnung koordinieren: damit alle Pflegeleistungen korrekt abgerechnet werden
  • Familie informieren: als Brücke zwischen medizinisch-fachlicher Welt und dem Alltag der Familie

Kurz gesagt: Die IAHA pflegt nicht nur — sie koordiniert auch. Das ist ein oft unterschätzter Teil des IAHA-Mehrwerts.

Die IAHA als Teil Ihres Pflegeteams. Jetzt anfragen.

iaha.ch/pflegerechner | Kostenlos | 2 Minuten

Weitere Informationen: Wann eine Ernährungsberaterin ins Pflegeteam gehört.

Weitere Informationen: Das informelle Pflegeteam: Geschwister, Freiwillige und Nachbarn einbinden.


FAQ

Frage Antwort
Wer gehört zum professionellen Pflegeteam in der häuslichen Pflege? Typischerweise: Hausarzt (Gatekeeper), IAHA/Spitex (Grundpflege und Abrechnung), Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde (bei Bedarf), Ernährungsberaterin (bei Bedarf), Sozialdienst, Apotheke. Bei Demenz: Memory-Klinik. Am Lebensende: Palliativteam.
Wer stellt die Verordnungen für Physiotherapie und Spitex aus? Immer der Hausarzt. Ohne ärztliche Verordnung können Spitex, Physiotherapie und Ernährungsberatung nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden. Der Hausarzt ist der zentrale Gatekeeper im Schweizer System.
Was macht die IAHA, das andere Pflegefachleute nicht tun? Die IAHA übernimmt die KK-Abrechnung vollständig und ist täglich vor Ort. Dadurch ist sie die natürliche Koordinationsstelle: Sie beobachtet Veränderungen, informiert den Hausarzt und hält den Pflegeplan aktuell.
Was ist das EPD und brauche ich es für die häusliche Pflege? Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist eine digitale Patientenakte, auf die alle beteiligten Fachpersonen mit Zustimmung zugreifen können. Bei komplexer Mehrfachbetreuung sehr empfehlenswert. Eröffnung kostenlos.
Wie koordiniere ich, wenn drei oder mehr Fachpersonen beteiligt sind? Ein gemeinsames Pflegetagebuch (analog oder digital), das alle Fachpersonen kennen und ergänzen. Klare Absprache, wer wen über Änderungen informiert. IAHA als tägliche Beobachtungsinstanz meldet Auffälligkeiten an den Hausarzt.
Was ist der Unterschied zwischen Physiotherapie und Ergotherapie? Physiotherapie: Körperliche Mobilität, Kraft, Ausdauer, Schmerztherapie. Ergotherapie: Anpassung der Umgebung (Wohnung, Hilfsmittel) und Training der Alltagsaktivitäten (Essen, Anziehen, Waschen).
Wann brauche ich einen Logopäden in der Pflege? Bei Schluckbeschwerden (Dysphagie) — besonders nach Schlaganfall, bei Parkinson oder fortgeschrittener Demenz. Verordnung durch Hausarzt. Nicht warten: Schluckprobleme sind sicherheitsrelevant.
Was macht der Sozialdienst in der Pflege? Sozialdienst (Gemeinde oder Spital) unterstützt bei EL-Anträgen, KESB-Verfahren, Beistandschaft und Entlastungsangeboten. Keine Verordnung nötig. Kontakt via Gemeinde oder Spital-Sozialdienst.
Wie funktioniert die Übergabe, wenn Pflegepersonen wechseln? Der Pflegeplan beschreibt die Pflegehandlungen genau. Zugang ist Passwortgeschützt und individuell. Die neue Pflegeperson findet alle Informationen im Spitex- Dokumentations-Tool.
Kann ich die IAHA kontaktieren, wenn ich Fragen zu anderen Fachpersonen habe? Ja. Die IAHA kennt das Schweizer Pflegesystem und kann Familien bei der Frage beraten, wann welche Fachperson einzuschalten ist.

Kontaktinformationen

IAHA – International Association for Healthy Aging
info@iaha.ch
044 208 88 44
Seefeldstrasse 62, Zürich

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